Ich habe den Sohn meines besten Freundes großgezogen. Zwölf Jahre später sagte meine Frau zu mir: „Dein Sohn verbirgt ein großes Geheimnis vor dir.“

Nach dem Tod meiner besten Freundin nahm ich ihren Sohn bei mir auf und zog ihn wie meinen eigenen auf. Ich gab ihm all die Liebe, die mir in meiner Kindheit gefehlt hatte. Zwölf Jahre lang waren wir eine richtige Familie. Doch eines Nachts weckte mich meine Frau panisch und erschrak. Sie sagte, sie habe etwas entdeckt, das unser Sohn verheimlichte. Als ich ihn sah, erstarrte ich vor Entsetzen, Tränen traten mir in die Augen.

Mein Name ist Oliver. Ich bin 38 Jahre alt, und meine Kindheit war alles andere als die warmherzigen und idyllischen Geschichten, die man aus Filmen kennt. Ich wuchs in einem Waisenhaus auf: kalt, isoliert, ein Ort, an dem man sich leicht unsichtbar fühlte.

Aber eine Person hat das alles erträglich gemacht: meine beste Freundin Nora.

Wir waren keine engen Verwandten, aber sie war das, was mir am nächsten an Familie kam. Wir teilten alles: heimlich aus der Küche geholte Kekse, gedämpfte Gespräche nach dem Lichtausschalten und Träume davon, was aus uns werden würde, sobald wir endlich frei von diesem Ort wären.

Wir haben diese Herausforderung gemeinsam gemeistert.

An unserem achtzehnten Geburtstag waren wir draußen, unsere abgenutzten Koffer zu unseren Füßen, und Nora sah mich mit Tränen in den Augen an.

„Egal was passiert, Ollie“, sagte sie und drückte meine Hand, „wir werden immer eine Familie sein. Versprich mir das.“

„Das verspreche ich dir“, antwortete ich aus tiefstem Herzen.

Und wir haben unser Versprechen gehalten. Selbst als uns das Leben in verschiedene Städte führte, die Wochen viel zu schnell vergingen und unsere Telefonate seltener wurden, haben wir uns nie wirklich auseinandergelebt.

Nora arbeitete als Kellnerin. Ich schlug mich mit Gelegenheitsjobs durch, bis ich eine Festanstellung in einem Antiquariat fand. Wir blieben in Kontakt, wie es nur Menschen können, die gemeinsam schwere Zeiten durchgestanden haben.

Als sie erfuhr, dass sie schwanger war, rief sie mich weinend an – Tränen der Freude.

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