Ich habe den Sohn meines besten Freundes großgezogen. Zwölf Jahre später sagte meine Frau zu mir: „Dein Sohn verbirgt ein großes Geheimnis vor dir.“

„Ollie, ich erwarte ein Baby“, sagte sie. „Du wirst Onkel.“

Ich hielt Leo zum ersten Mal wenige Stunden nach seiner Geburt in meinen Armen. Seine Fäustchen waren klein und faltig, sein schwarzes Haar weich, seine Augen immer konzentriert.

Nora wirkte gleichzeitig erschöpft und strahlend. Als sie sich mir anvertraute, öffnete sich etwas in mir.

„Herzlichen Glückwunsch, Onkel Ollie“, flüsterte sie. „Du bist offiziell der tollste Mensch in ihrem Leben.“

Sie zog Leo allein groß. Sie sprach nie über seinen Vater, und jedes Mal, wenn ich vorsichtig danach fragte, schaute sie weg.

„Es ist kompliziert“, sagte sie leise. „Vielleicht erkläre ich es dir eines Tages.“

Ich habe nicht darauf bestanden. Nora hatte schon genug gelitten. Wenn sie bereit war, würde ich ihr zuhören.

In der Zwischenzeit tat ich, was eine Familie eben so tut: Ich war für sie da. Ich half beim nächtlichen Füttern und Windelwechseln. Ich brachte ihr Lebensmittel mit, wenn wir wenig Geld hatten. Ich las ihr Geschichten vor, bevor sie ins Bett ging, wenn sie vor Erschöpfung zusammenbrach.

Ich war bei Leos ersten Schritten, seinen ersten Worten, jedem wichtigen Meilenstein dabei. Nicht als Vater, sondern als derjenige, der seinem besten Freund einst versprochen hatte, dass er das Leben niemals allein meistern würde.

Doch Versprechen schützen nicht vor dem Schicksal.

Vor zwölf Jahren, im Alter von 26 Jahren, klingelte mein Telefon um 23:43 Uhr.

Halb im Schlaf nahm ich den Hörer ab. Am anderen Ende der Leitung war ein Fremder.

"Ist da Oliver? Ich rufe aus dem Krankenhaus an. Noras Nachbarin hat mir Ihre Nummer gegeben. Es tut mir sehr leid, aber es hat einen Unfall gegeben."

Die Zeit stand still.

Nora war fort. Plötzlich. Ein Autounfall auf einer regennassen Straße – alles änderte sich in Sekundenschnelle. Kein Abschied. Keine letzten Worte. Keine Zeit, all das zu sagen, was wir sonst immer sagen.

Er hinterließ einen zweijährigen Jungen, ein Kind, das nicht nur seine Mutter, sondern auch das einzige Leben verloren hatte, das es je gekannt hatte.

Leo hatte keinen Vater. Keine Großeltern. Keine anderen Familienmitglieder. Nur mich.

Ich fuhr die ganze Nacht, um ihn zu erreichen. Ein Nachbar, der normalerweise auf Leo aufpasste, während Nora arbeitete, hatte ihn nach dem Notruf ins Krankenhaus gebracht. Als ich das Zimmer betrat und ihn in einem viel zu großen Schlafanzug auf dem Bett sitzen sah, einen alten Stoffhasen umklammernd, winzig klein und verängstigt, zerbrach etwas in mir.

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