"Sie hat sie nicht konfrontiert", warf Robert ein. "Sie hat sich vorbereitet. Sie überarbeitete leise ihr Testament. Rechtlich gesehen. Alles wurde uns überlassen."
Ich starrte ihn an. "Also bekommt Papa nichts. Laura bekommt nichts."
Ein sprüches Lachen entwich mir – scharf, unsicher.
"Also diese Hochzeit, alles—"
"Sie glauben, sie hätten bereits gewonnen", sagte Robert.
Die Tür schwang auf.
"Claire?" rief mein Vater. "Geht es dir da drin gut?"
Robert faltete den Brief zusammen und steckte ihn zurück in den Umschlag.
"Ja", antwortete ich. "Wir sind gleich draußen."
Die Tür schloss sich wieder.
Ich schluckte. "Was machen wir?"
Draußen schwoll die Musik an.
Der Kuchen sollte gerade angeschnitten werden.
Und mein Vater hatte keine Ahnung, dass seine Feier kurz davor war, zur Abrechnung zu werden.
Wir kehrten gemeinsam zum Empfang zurück. Papa entdeckte uns sofort und lächelte erleichtert.
"Da bist du ja. Ich fing an, mir Sorgen zu machen."
"Wir müssen reden", sagte ich.
Sein Lächeln erlosch. "Kann es warten?"
"Nein."
Gespräche in der Nähe verstummten. Laura wurde steif.
Mein Bruder trat vor. "Mama wusste es. Über alles."
"Wusstest was?" fragte Papa.
Ich habe den Umschlag gehoben. "Sie wusste von dir und ihrer Schwester. Sie wusste von dem Kind. Und sie wusste, warum du geblieben bist."
Laura flüsterte seinen Namen.
"Hör auf."
Papa lachte kurz. "Du irrst dich."
"Nein", sagte ich ruhig. "Du bist es."
Robert fuhr fort. "Sie hat das Testament geändert. Alles geht an uns. Du bekommst nichts."
Die Farbe wich aus Papas Gesicht. "Das ist unmöglich."
"Ist es nicht", antwortete ich. "Es ist schon erledigt."
Laura trat von ihm zurück. "Du hast gesagt, es sei erledigt."
Ich sah beide an. "Diese Hochzeit hat deine Zukunft nicht gesichert. Es offenbarte die Wahrheit."
Wir sind ohne Abschied gegangen.
Monate später verließ auch Laura ihn. Liebe, wie sich herausstellt, verschwindet schnell, wenn es nichts mehr zu erben gibt.
Mama hatte recht. Sie kämpfte nicht, während sie im Sterben lag. Sie gewann – leise.
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