"Es ist nicht viel", sagte Yusha. Ihre Stimme war eine Offenbarung: tief, melodisch und ohne die harten Akzente, die sie von Männern erwartete. Aber die Decke hält, und die Wände reagieren nicht auf dich. Du wirst hier sicher sein, Zainab.
Der Klang ihres Namens, mit so stiller Ernsthaftigkeit ausgesprochen, traf sie härter als jeder Schlag. Er sackte auf einer dünnen Matte zusammen, seine Sinne überempfindlich gegenüber dem Raum. Sie hörte ihn sich bewegen: das Klirren einer Blechtasse, das Rascheln trockenen Grases, das Anzünden eines Streichholzes.
In jener Nacht berührte er sie nicht. Er warf sich eine schwere, wollduftende Decke über die Schultern und zog sich zur Tür zurück.
"Warum?" flüsterte er in der Dunkelheit.
"Warum was?"
Warum nehmen sie mich mit? Sie haben nichts. Jetzt haben sie nichts mehr, außer einer Frau, die nicht einmal das Brot sehen kann, das sie isst.
Sie hörte, wie er sich gegen den Türrahmen bewegte. "Vielleicht", sagte er leise, "ist es einfacher, nichts zu haben, wenn man jemanden hat, mit dem man Schweigen teilen kann."
Die folgenden Wochen waren ein langsames Erwachen. Im Haus ihres Vaters hatte Zainab in einem Zustand sensorischer Deprivation gelebt, mit der Verpflichtung, still zu sein, schweigend, unsichtbar zu sein. Yusha tat das Gegenteil. Es wurden seine Augen, aber nicht durch eine einfache Beschreibung. Er malte die Welt in seinem Geist mit der Präzision eines Meisters.
"Die Sonne heute ist nicht nur gelb, Zainab", sagte er, während sie am Fluss saßen. "Es hat die Farbe eines Pfirsichs, kurz bevor er blaue Flecken bekommt. Es ist schwer. Es ist das Gefühl einer heißen Münze in der Handfläche."
Er brachte ihr die Sprache des Windes bei: den Unterschied zwischen dem Rascheln der Pappeln und dem trockenen Rasseln von Eukalyptus. Er brachte ihr wilde Kräuter, führte seine Finger über die gezackten Minzblätter und die samtige Haut des Salbeis. Zum ersten Mal in seinem Leben war Dunkelheit kein Gefängnis; Es war eine Leinwand.
Jede Nacht lauschte er dem Rhythmus seiner Rückkehr. Er ertappte sich dabei, wie er nach dem rauen Stoff seines Umhangs griff, seine Finger hielten im gleichmäßigen Schlag seines Herzens inne. Sie verliebte sich in einen Geist, einen Mann, der von Armut und Güte geprägt war.
Aber Schatten werden immer länger, bevor sie verschwinden.
An einem Dienstag, ermutigt durch ihre neu gewonnene Autonomie, nahm Zainab einen Korb mit an den Stadtrand, um Gemüse zu sammeln. Er kannte den Weg: vierzig Schritte zum großen Stein, eine scharfe Linkskurve, wenn er den Geruch der Gerberei wahrnahm, und dann geradeaus, bis die Luft am Bach abkühlte.
"Schau dir das an", flüsterte eine Stimme. Es war eine Stimme wie zerbrochenes Glas. Die Königin der Bettler ging spazieren.
Zainab erstarrte. "Aminah?"
Seine Schwester drang in seinen persönlichen Raum ein; Der Geruch von teurem Rosenwasser war stickig und erdrückend. "Du siehst erbärmlich aus, Zainab. Wirklich. Zu denken, dass du ein Herrenhaus gegen eine Lehmhütte und einen Mann, der nach Kanalisation riecht, eingetauscht hast."
"Ich bin glücklich", sagte Zainab, ihre Stimme zitterte, aber sicher. Er behandelt mich, als wäre ich Gold. Etwas, das unser Vater nie verstanden hat.
Aminah lachte, mit einem hohen, hohen Lachen, das eine nahe Krähe erschreckte. "Gold? Oh, armer blinder Naiver. Glaubst du, er ist ein Bettler, weil er arm ist? Glaubst du, das ist eine tragische Romanze?"
Aminah beugte sich vor, ihr heißer Atem an Zainabs Ohr. "Er ist kein Bettler, Zainab. Es ist eine Buße. Er ist der Mann, der alles in einer Wette verloren hat, die er nicht gewinnen konnte. Er bleibt nicht aus Liebe bei dir. Es bleibt bei dir, weil es sich versteckt. Benutze deine Blindheit als Umhang."
Die Welt verstummte. Das Geräusch von Vögeln, Wasser, Wind... alles verblasste, ersetzt durch ein Brüllen in Zainabs Ohren. Er taumelte rückwärts, sein Stock stieß gegen eine Wurzel und brach fast zusammen.
"Er ist ein Lügner", flüsterte Aminah. Fragen Sie ihn nach dem Großen Feuer des Ostens. Frag ihn, warum er nicht in die Stadt kommen kann.
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