Keine Arbeit, kein Einkommen
Weil Arbeiten nicht gelingt, beantragte Miriam Sozialhilfe. Doch dort stieß sie auf eine harte Realität. “Sie sagten wörtlich: Klimastress ist kein anerkannter Grund, nicht zu arbeiten.”
Nach Miriams Angaben muss sie entweder nachweisen, dass sie vollständig arbeitsunfähig ist, oder für Arbeit zur Verfügung stehen. “Aber ich liege genau dazwischen. Zu krank zum Arbeiten, zu ‘gesund’ für Hilfe.”
Sie findet das ungerecht. “Burn-out wird ernst genommen. Depression auch. Aber sobald man sagt, es gehe ums Klima, schauen einen die Leute an, als wäre man ein verwöhntes Kind.”
“Sie sagen: Schalte die Nachrichten aus”
Am meisten frustriert sie der Mangel an Verständnis. “Ich bekomme Ratschläge wie: ‘Geh weniger in die sozialen Medien’ oder ‘Konzentrier dich auf schöne Dinge’. Als könnte ich einfach aufhören, mir um die Zukunft Sorgen zu machen.”
Laut Miriam ist Klimastress kein Luxusproblem. “Es geht um Existenzsicherheit. Um die Frage, ob meine Generation überhaupt eine lebenswerte Zukunft hat.”
Sie findet, dass Institutionen hinterherhinken. “Die Welt verändert sich, aber die Systeme nicht. Psychische Beschwerden, die in kein Kästchen passen, existieren für sie schlicht nicht.”
Online Unterstützung, offline nichts
In den sozialen Medien findet Miriam durchaus Anerkennung. Dort teilen junge Menschen massenhaft Gefühle von Ohnmacht und Angst vor dem Klima. “Ich bin also nicht allein. Aber Verständnis im Netz zahlt keine Miete.”
Sie wohnt jetzt wieder bei ihren Eltern. Das Studium hat sie abgebrochen, arbeiten gelingt nicht, sparen kann sie nicht. “Mein Leben steht still, obwohl ich erst 23 bin.”
Kritik aus der Gesellschaft
Nicht alle haben Mitleid. “Leute sagen: ‘Geh einfach arbeiten’ oder ‘Du suchst nur eine Ausrede’. Das tut weh,” sagt Miriam. “Als ob ich mir das aussuchen würde.”
Sie fragt sich, wo die Grenze liegt. “Wann darf man sagen: Das ist zu viel? Und wer bestimmt das?”
“Ich will keinen Luxus, ich will Ruhe”
Miriam sagt, sie habe keine großen Forderungen. “Ich will keine Freistellung fürs Leben. Ich will Zeit, Begleitung und Existenzsicherheit. Damit ich ohne Angst genesen kann.”
Ihr zufolge steht die Gesellschaft vor einer Wahl. “Wir sagen den Jugendlichen, dass sie sich Sorgen um das Klima machen müssen. Aber wenn diese Sorgen zu schwer werden, stehen sie alleine da.”
Sie blickt kurz weg und sagt dann: “Es fühlt sich an, als würde ich dafür bestraft, dass mir die Zukunft zu sehr am Herzen liegt.”
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